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Kiez Im Wandel
Florian Niedermeier, Geschäftsführer Markthalle Neun, Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister Charlottenburg-Wilmersdorf, Sylvia Möller, Inhaberin Hotel Villa Kastania, Dr. Stefan Elfenbein, Vorsitzender der Jury "Berliner Meisterköche", Jens-Uwe Bünger, Der Fleischsommelier, und Dr. Erwin Seitz, Journalist, Buchautor und Gastrokritiker (v.l./Foto: Gero Schreier)

Kiez im Wandel

Das Klagen und Bedauern über den Verlust kleiner Läden, uriger Kneipen, handwerklicher Traditionsbetriebe oder geschichtsträchtiger Orte im Kiez nimmt zu. Ja, erreicht langsam Kultstatus, wie die meisten Einrichtungen selbst. Da die Berührungspunkte mit dem Thema „Standortqualität Berlins auch als touristische Destination“ unübersehbar sind, war es der richtige Zeitpunkt, in einem Medienforum über Berlins Kieze zwischen Gefahr und Hoffnung zu diskutieren.  Mit gewohnt fach- und sachkundig besetztem Podium. Und rund 60  „Freunden des guten Geschmacks“ in der „Villa Kastania“ in Westend. Ein sehr komplexes Thema – wie sich schnell erweisen sollte. Hierzu gab es neben der Problemschilderung (Kapitaldruck durch Investoren, Mieten, Mangel an Nachwuchs und Fachkräften, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, steigende Betriebs- und Personalkosten) viele Anregungen und Erfolgsgeschichten.

Wenige Beispiele:

  • Die „Markthalle Neun“ zeigt mit ihrem Mix aus Gastronomie, Händlern, Erzeugern und Events, wie man ein Konzept realisieren kann, das weit über die Stadt hinaus für Furore sorgt. So Geschäftsführer Florian Niedermeier.
  • Mit der Auszeichnung „Kiezmeister“ rückt die Jury der „Berliner Meisterköche“ 2018 erstmals den speziellen lokalen Bezug in den Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit, wie Dr. Stefan Elfenbein als Juryvorsitzender wissen lässt.
  • Dieses Ziel verfolgen auch die teilweise von Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann geführten Kieztouren und die Initiative „Kiezhelden“ (Bewohner schlagen inhabergeführte Läden vor) in Charlottenburg-Wilmersdorf.
  • Wie der Wunsch nach mehr Individualität, Qualität und lokalem Bezug erfüllt  werden kann, schildert Berlins wohl bekanntester Fleischsommelier,  Jens-Uwe Bünger.

Das rund zweistündige Forum hält sich nicht mit oft üblichen, übertrieben romantisierenden Bildern von der Kiezgeschichte auf, sondern vermittelt viel Wissenswertes, Praktikables, vor allem in Sachen Gastlichkeit, Esskultur und Bewusstseinsbildung für die Ernährung. Mit übergreifenden Themen wie Kultur, Architektur, Stadtplanung/Stadtentwicklung aus Sicht des Tourismus wäre eine Fortsetzung der Diskussion in solcher Form durchaus denkbar.
Denn, so zeigt dieses Medienforum: Es gibt eine Zukunft für traditionsreiche Orte, die auch eine Stadt prägen. Wenn private Initiativen, Bürger aus der Nachbarschaft, Handwerk, Handel, Gastgewerbe und deren Verbände Hand in Hand gehen.  Und sich die Politik an die Spitze einer derartigen Bewegung stellt (Milieuschutzgebiete sind mehr als Wohnungsmarkt!). Mit Konzepten, welche dem Zeitgeist folgen sowie das Neue und Moderne nicht aufhalten, aber historisch Wertvolles, Gewachsenes und Bewährtes nicht zerstören. Dieser gewollte Mix aus Alt und Neu könnte zum Trendsetter werden.
Für den Wandel im Kiez!
Hans-Jörg Jarofke

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