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Ariel Schiff, Geschäftsführer AMANO Group, Dr. Stefan Elfenbein, Vorsitzender Der Jury
Ariel Schiff, Geschäftsführer AMANO Group, Dr. Stefan Elfenbein, Vorsitzender der Jury "Berliner Meisterköche", Tim Raue, Starkoch und Restaurantbesitzer, und Steffen Kirchner, Inhaber Loretta am Wannsee (v.l./Foto: Gero Schreier)

Bleibt die Küche kalt? Wie bewältigen die Gastgeber Berlins den Neustart?

Es war ein bisschen wie Klassentreffen, denn viele der Journalist*innen, Tourismus-Fachleute, Gastronomen und Hoteliers sahen sich nach den langen Monaten des Lockdowns zum ersten Mal wieder. Doch die – noch immer pandemiekonforme – Wiedersehensfreude im Loretta am Wannsee verwandelte sich in der Diskussion zum Thema: „Berlins Willkommens- und Genusskultur – systemrelevant oder abgeschrieben?“ in einen intensiv-leidenschaftlichen Gedankenaustausch.

Dabei startete Moderator Dr. Stefan Elfenbein, Korrespondent für „Der Feinschmecker“ und Vorsitzender der Jury „Berliner Meisterköche“, rundum positiv in die Gesprächsrunde mit Tim Raue, Sternekoch und Restaurantbesitzer, Ariel Schiff, CEO AMANO Group Hotels, und Steffen Kirchner, Inhaber des Loretta am Wannsee. Er verwies auf das gerade vergangene, erfolgreiche erste Wochenende mit touristischen Gästen in der Stadt. Und schon folgte das erste Aber. Es kam von Ariel Schiff, der von seinen sieben Hotels in der Hauptstadt nur sechs wiedereröffnen konnte. Für das Siebente fehlt  Personal. Denn „das Berufsverbot ließ vor allem Mitarbeiter*innen, die perspektivisch denken, abwandern“, konstatierte Tim Raue. Was tun? Steffen Kirchner regte ein Umdenken in der Branche an, „die mehr soziale Aspekte berücksichtigen muss“, um ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Berlin, stellte das Projekt Ausbildungshotel vor. Mehrere Hotels – so das ABACUS am Tierpark, The Student und der Albrechtshof – ermöglichen Azubis, deren Häuser während der Pandemie in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser gerieten oder ganz schließen mussten, eine Weiterführung ihrer Ausbildung. Ariel Schiff rekrutierte gerade erst für seine Häuser sechs Köche aus Israel und wird auch weiterhin „die Türen für Einwanderer weit aufmachen.“

Lag es am Thema? Lag es an den Fragen des Moderators? Die Diskussion nahm schnell Fahrt auf. Viele Teilnehmer*innen wurden zu Akteuren und berichteten über ihre Probleme und Erfahrungen während der Pandemie, die Gastronomie und Hotellerie besonders hart traf. Weil keine Gäste in die Stadt kamen, „die auf der Hybris der Gäste von außerhalb gewachsen ist“, so Tim Raue. Und weil die Politik „uns drittklassig“ begleitet hat, ergänzte Sternekoch Thomas Kammeier, Gastronomischer Leiter des EUREF-Campus. Das bestätigte Thomas Lengfelder, der berichtete, wie fachliche Vorschläge des Verbandes von den zuständigen Senatsverwaltungen ignoriert und Verordnungen erlassen wurden, die für Gastronomen und Hoteliers die Krisensituation zusätzlich verschärfte. Bedenklich auch, dass die großen Hotels – wichtig für das Berlin-Marketing – bei verschiedenen Hilfsmaßnahmen durch alle Raster fielen sowie bei vielen kleineren Häusern und Gaststätten die zugesicherten Hilfsgelder noch immer ausstehen.

Welche demokratische Partei wählen? Die Frage blieb im Raum. Dennoch: Vielfalt, Offenheit und Genuss werden auch künftig für die Hotellerie und Gastronomie in der Hauptstadt stehen, denn „wir sind es gewöhnt, schnell und flexibel zu handeln“, versicherte Tim Raue, der bereits jetzt Anzeichen für einen kulinarischen Aufschwung sieht. „Berlin hat viel durchgemacht. Aber wir bewältigen das“, beendete Stefan Elfenbein die vielstimmige Diskussion, die anschließend an einem warmen Berliner Sommerabend mit Blick auf den Wannsee in kleinen Gesprächsrunden weitergeführt wurde.

FAZIT: Vor allem der Fachkräftemangel wird als existenzielles Problem der Gastgeber-Branche langfristige Auswirkungen haben. Hotels und Gaststätten sehen optimistisch in den Berliner Sommer, Fragezeichen bestimmen allerdings den Blick in den Herbst (Pandemiegeschehen, ausbleibendes Kongressgeschäft …).
Einen großen Dank an das Loretta am Wannsee, das mit seinem Team ein herzlicher Gastgeber war.
Brigitte Menge

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