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Reiseziel Heimat
Karl Holmeier, Mitglied des Deutschen Bundestages, Gabriele Maessen, General Managerin Steigenberger Hotel Am Kanzleramt Berlin, Elke Bitterhof, Moderatorin, Norbert Kunz, Geschäftsführer Deutscher Tourismusverband, und Ernst-August Winkelmann, Inhaber Spargel- und Erlebnishof Klaistow (v.r./Foto: Gero Schreier)

Reiseziel Heimat

Immer mehr Deutsche machen Urlaub im eigenen Land. Ferien vor der Haustür werden zunehmend beliebter. Mit einer nationalen Tourismusstrategie unterstützt auch der Deutsche Bundestag diese Entwicklung. Denn längst ist der Tourismus für Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Was die Deutschen dazu bewegt, ihre Heimat als Urlaubsort mehr und mehr zu entdecken, und wie hierzu die ländlichen Regionen attraktiver gemacht werden können, dies war Thema eines Medienforums des TourismusDialog.Berlin am 13. November 2019 im Steigenberger Hotel am Kanzleramt.
Gesprächspartner waren Karl Holmeier, Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher der CSU-Landesgruppe für Wirtschaft, Energie, Verkehr, digitale Infrastruktur, Bildung, Forschung und Tourismus, Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes DTV, und Ernst-August Winkelmann, Inhaber des Spargel- und Erlebnishofes Klaistow/Brandenburg. Moderiert wurde die Diskussion von Elke Bitterhof, Journalistin und Dipl.-Ing. Ökonomin für Fremdenverkehr.
Für die Gastfreundschaft bedankten sich die rund 60 Interessenten herzlich bei Gabriele Maessen, General Managerin des Hauses und Regionaldirektorin der Steigenberger Hotels.
Für die Deutschen bildet das eigene Land mit einem Anteil von 27 Prozent inzwischen das beliebteste Urlaubsziel vor Spanien und Italien. Das Potential ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Deshalb hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbart, eine nationale Tourismusstrategie zu erarbeiten. Dies soll dazu beitragen, den Tourismus vor allem nachhaltig zu gestalten. Norbert Kunz zeigt sich erfreut, dass sich der Bund erstmals seit 1975 wieder verstärkt dem Tourismus annimmt und hierfür auch Fördermittel bereitstellt. Der DTV hat seine Forderungen formuliert und wird damit in den Dialog eintreten.
Darüber hinaus besteht zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ ein Förderprogramm für strukturschwache Regionen, das auch dem regionalen Tourismus zugute kommt. Hierzu verweist Karl Holmeier besonders auf die 5G-Versorgung im ländlichen Raum. Im Entstehen ist eine Bundes-Mobilfunk-Infrastrukturgesellschaft, um die restlichen „weißen Flecken“ rasch zu erschließen.
Nicht so optimistisch äußert sich Holmeier zur Nachhaltigkeit. 54 Prozent der deutschen Urlauber wollen zwar nachhaltig Urlaub machen, aber nur 7 Prozent tun es tatsächlich. Da sei noch viel Aufklärung notwendig.
Für seinen Wahlkreis Cham spricht das Mitglied des Bundestages von einer positiven Entwicklung. Mit zahlreichen Attraktionen ist es gelungen, die für diese Region beachtlichen rund 2,5 Millionen Buchungen im Jahr zu erreichen. Hierzu zählen renaturierte Seenlandschaften, neue Wellness-Angebote, Babyhotels, moderne Wanderwege, handyfreie Hotels und sogar ein barrierefreier „Aufstieg“ zum Arber, dem höchsten Berg in dieser Gegend.
Alles in allem hat Bayern zugleich den Spagat zwischen authentischer Tradition und dem Anspruch junger Touristen gemeistert – nach dem Slogan „Laptop und Lederhose“, so Karl Holmeier. Mit einem Modernisierungsprogramm für Gaststätten will Bayern es schaffen, junge Leute wieder mehr ins Dorfwirtshaus zu locken.
Eine große Chance für den Landtourismus bietet die Digitalisierung, darin sind sich alle Podiumsgäste einig. Auf dem diesjährigen Deutschen Tourismustag im November in Rostock gehört das zu den Schwerpunkten. Norbert Kunz verweist auf die Bedeutung der weiteren Themen, wie nachhaltiges Reisen, barrierefreies Reisen, Arbeitszeit-Flexibilisierung im Gaststättengewerbe und Bildungsreisen. Gerade die Bildungsreisen entfalten sich immer mehr im Sinne von gleichzeitiger Entspannung und Bildung.
Von der Erfolgsgeschichte des Spargel- und Erlebnishofes Klaistow berichtet Ernst-August Winkelmann. Sein Erfolgsrezept ist die „gläserne Produktion“. Nach seinen Worten möchten seine Gäste  das Land erleben, frische regionale Produkte genießen und sich rundherum wohl fühlen. Der Besucher ist daran interessiert, woher und was auf den Teller kommt. Mit der vielfältigen Präsentation der Produkte – wie Spargel, Kürbisse, Heidelbeeren, ja sogar Stroh und inzwischen auch Gänse – hat es Winkelmann mit seinem Team geschafft, jährlich über 100000 Gäste ins Berliner Umland zu locken. Ebenso haben hierzu viele solcher Attraktionen in der Umgebung wie der Waldgipfelpfad beigetragen. Je mehr um uns herum geschieht, umso mehr Gäste kommen, so Ernst-August Winkelmann.
Resümee der Gesprächspartner: Wenn die Politik die passenden Rahmenbedingungen schafft und vor allem die Infrastruktur stimmt, bleiben zahlreiche Urlauber im eigenen Land. Trend ist, dass die Leute zwar kürzer Urlaub machen, dafür aber öfter, anspruchsvoller und regionaler.
Helmut Amberger

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